WiGeP-Industriedialog 2018 bei Festo

Das Frühjahrstreffen der Mitglieder vom 19.04.-20.04.2018 zum Thema „Ingenieurkompetenzen im Zeitalter der Digitalisierung“

Der diesjährige WiGeP-Industriedialog 2018 fand im TechnologieCenter der Firma Festo in Esslingen-Berkheim statt. Nicht nur Teilnehmer aus universitärem Umfeld, sondern auch Teilnehmer aus der Industrie folgten, zu etwa gleichen Teilen, der Einladung von Festo zur gelungenen Veranstaltung. Die freundliche und kooperative Stimmung trug neben dem fachlichen Austausch maßgebend zum Gelingen der Tagung bei. Zudem bot der gewährte Einblick in die Technologiefabrik der Firma Festo in Scharnhausen die Möglichkeit eine der Kernkompetenzen von Festo, die Automatisierung von Produktionsanlagen durch pneumatische und elektrische Antriebstechnik, direkt vor Ort zu begutachten.

Begrüßungsrede durch Prof. Post

Prof. Post ging in seiner Begrüßungsrede darauf ein, wie die konsequente Verzahnung von Automatisierung und Ausbildung zur Produktivitätssteigerung führen kann. Hierbei bilden auf der einen Seite eine hohe Variantenvielfalt, große Effizienz und Nachhaltigkeit sowie die Digitalisierung der Produktionsanalgen durch Vernetzung die Trends und auf der anderen Seite intelligente Systeme, ganzheitlich mechatronische Konstruktionen, neue Kommunikationstechnologien sowie datengetriebene Entwicklung die befähigenden Elemente des digitalen Wandels von Produktionssystemen. Unter dem Begriff Industrie 4.0 seien hierbei die vier Dimensionen Horizontale Integration, Vertikale Integration, Integriertes Engineering und der Mensch selbst von besonders wichtiger Bedeutung. Festo setze dabei heute schon auf eine, durch neue Datenauswerte- und nutzungsmethoden getriebene, vernetzte Produktion, welche einen permanenten globalen Datenaustausch über eine Cloud ermöglicht. Durch cyber-physische Systeme gelingt mittels dem Internet der Dinge nicht nur eine Vernetzung der Produktionsanalagen hin zu Smart Factories, sondern auch intelligente Produkte, welche wiederum neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Zur Steigerung der Nachhaltigkeit setze Festo auf ein umfassendes Energiemanagement von der Komponente bis hin zur gesamten Produktionsanlage. Mittels virtuellen Modellen soll über den gesamten Produktlebenszyklus ein ganzheitlich integriertes Engineering ermöglicht werden. Wer zu diesem digitalen Wandel mit all seinen Möglichkeiten und Herausforderungen den Menschen stets im Vordergrund behält, kann eine erfolgreiche Umsetzung erwarten. Dabei ermöglicht Festo durch Lern- und Forschungsfabriken sowie innovativen Ausbildungsmaßnahmen einen erfolgreichen Transfer des neuen Wissens in die Praxis.

Keynotes

Herr Zimmermann, Head of Consulting Deutschland der Festo Didactic SE, hielt einen Keynote-Vortrag zum Thema „Führen und lernen in der digitalen Transformation“. Er erläuterte hierbei unter anderem, welch große Bedeutung das Zusammenspiel von Aus- und Weiterbildung und Führungskompetenzen habe. Nur durch neue Ansätze können die Möglichkeiten genutzt und die Herausforderungen gemeistert werden, welche die digitale Transformation mit der Industrie 4.0 bieten. Den Keynote-Vortrag mit dem Titel „Innovation = Expertise + Netzwerk, Agil entwickeln bei Trumpf im Zeitalter der Digitalisierung“ hielt Herr Dr. Schneider, Geschäftsführer Entwicklung der TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG in Ditzingen. Das Unternehmen wird bereits seit 1923 in Familienhand geführt, was sich, auch im Zeitalter der Digitalisierung, in langfristigem Handeln äußert. Das Kerngeschäft besteht in Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik, welche nicht nur zur Produktion von Fahrzeugen und Gebäudetechnik, sondern auch für mobile Endgeräte und moderne Energie- und Datenspeicherung zum Einsatz kommen. Die durch die digitale Transformation getriebene steigende Individualisierung der Produkte führe zu einer steigenden Komplexität in der Fertigung, was sich unter anderem in sehr kleinen Losgrößen widerspiegelt. Die Herausforderungen liegen hierbei in der gesamten Wertschöpfungskette und nicht nur in der aktiven Bearbeitung von Komponenten. Für Trumpf äußere sich eine der Herausforderungen der digitalen Transformation demnach im Bedarf von höchst zuverlässigen, automatisierten Werkzeugmaschinen, welche allerkleinste Stückzahlen bis hin zu Stückzahl Eins fertigen können. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden betont Herr Dr. Schneider, sei es notwendig, das Gesamtsystem in der Betrachtung zu berücksichtigen. Eine Blechbearbeitungsmaschine müsse beispielsweise gänzlich vernetzt sein und sowohl mit dem System Fabrik, als auch mit einer entsprechenden Geschäftsplattform interagieren. Zudem zeige sich der digitale Wandel bei Trumpf auch in einem Bedarf autonomer Fabriken, welche Werkzeugmaschinen mit digitalen Ansätzen kombiniert. Zur Optimierung des Produktentwicklungsprozesses bedarf es dabei disziplinübergreifen, agil und digital zu agieren und neue Technologien, wie beispielsweise machine learning, einzusetzen. Die dafür notwendige Expertise lasse sich als weitere Herausforderung des digitalen Wandels formulieren. Die klassischen Grundkompetenzen des Ingenieurs müssen durch systemisches Denken und lebenslanges Lernen komplettiert werden, um den Anforderungen der Transformation gerecht werden zu können.

Workshops

Die durchgeführten Workshops, welche sich mit der universitären Aus- und Weiterbildung im Zeitalter der Digitalisierung beschäftigten, trugen maßgebend zum Austausch der Teilnehmer des Industriedialogs bei. Hierzu thematisierten die Teilnehmer des Workshops „Ausbildung“ die Fragen, welche Kompetenzen Ingenieure der Produktentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung benötigen und welche Kompetenzprofile an Universitäten ausgebildet werden sollen. Hierbei wurde deutlich, dass übergreifende Kompetenzen wie beispielsweise Prozesswissen über die Produktentwicklung sowie Grundlagenwissen zu PDM und PLM notwendig sind. Auch selbstständige Problemlösungskompetenzen seien von essentieller Bedeutung. Zudem sollten weitere Kompetenzen wie Produktvalidierung, Change-Management, Systems Engineering und Service Engineering als mögliche Spezialisierungen in der universitären Bildung möglich sein. Die Teilnehmer des Workshops „Weiterbildung“ hingegen beschäftigten sich mit den Fragen, welche Herausforderungen die Organisation von Weiterbildung an Universitäten mit sich bringt und welche Weiterbildungsangebote benötigt werden. Ziel war es, Rahmenbedingungen für die Weiterbildung an Universitäten zu identifizieren. Unter anderem seien kreative und innovative Lehrmethoden bei hochaktuellen Inhalten von großer Bedeutung. Zudem müssen die Weiterbildungsziele klar kommuniziert werden. Zentral stellen sich die Fragen, wie der Mindset der Teilnehmer beeinflusst werden kann, ob ein berufsbegleitender Masterstudiengang oder kleinere Module sinnvoller sind, was die Industrie bereit ist für die Weiterbildung anzuwenden, sowie welche Lernmethoden und Lehrinhalte für die Produktentwicklung erwartet werden.

Mitgliederversammlung

Wie in den vergangenen Jahren ging auch dem diesjährigen Industriedialog die Mitgliederversammlung der WiGeP voraus, an welcher sowohl ordentliche als auch emeritierte Mitglieder teilnehmen. Schwerpunkte bildeten unter anderem die Maßnahmen des neuen Vorstandes, welcher seit Beginn des Jahres im Amt ist. Die Struktur der WiGeP soll einer Umgestaltung unterzogen werden. Vorrangig sollen neue Arbeitsgruppen aktuelle Themen der WiGeP über alle drei Fachgruppen hinweg interdisziplinär adressieren. Zudem wurden neue SPP-Antragsideen in deren Inhalten grob festgelegt und Mitglieder zur Mitarbeit abgefragt.